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Wie Kinder eine Trennung verkraften – 13 wichtige Tipps (+ Leitfaden)

Trennung steht im Raum...

Du hast aber Bedenken wegen der Kinder?

Du weißt nicht, wie du es ihnen sagen sollst?

Du hast Angst, dass eure Kinder zu sehr darunter leiden?

Du weißt nicht, was sich alles verändern wird?

Mit diesem Artikel möchte ich dir die Angst nehmen vor einer Trennung oder Scheidung mit Kindern. Wenn ihr als Eltern ein paar Punkte beachtet, kommen eure Kinder langfristig ganz gut damit klar.

Wie ihr es eurem Kind also etwas leichter machen könnt, erfährst du hier. Zusätzlich gibt’s einen kostenlosen Leitfaden „Trennung mit Kindern – Wie geht es jetzt weiter?“ zum Download…

Trennung mit Kindern: Mama und Papa halten das Kind an den Händen und alle sind glücklich, trotz der Trennung.

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Wegen der Kinder zusammenbleiben?

Eine Trennung ist nie leicht. Sobald jedoch Kinder im Spiel sind, wird die Entscheidung besonders schwer…

Jede Beziehung beginnt mit dem Wunsch, für immer zusammenzubleiben. Doch nicht alle Paare schaffen es und das ist im Grunde auch gar nicht schlimm. Wenn man feststellt, dass man doch nicht so gut zusammenpasst oder sich auseinander entwickelt hat… wenn nur noch Streit oder Gleichgültigkeit den Alltag bestimmen oder das Vertrauen weg ist, weil einer z.B. fremdgegangen ist – weshalb sollte man dann zusammenbleiben und unglücklich sein?

Natürlich lohnt es sich, erstmal an der Beziehung zu arbeiten, vor allem, wenn Kinder mit im Spiel sind. 

Doch wenn trotz Bemühungen und Willen die Liebe erloschen ist, haben die Kinder letztendlich auch nichts von unglücklichen Eltern!

Trotzdem höre ich immer wieder sowas wie „Wir bleiben wegen der Kinder zusammen.“ Letztendlich ist das natürlich eine Entscheidung, die jede Familie für sich treffen muss.

Aber bedenke Folgendes:

  • Kinder spüren sehr intensiv die Gefühle ihrer Eltern. Sind Mama und/oder Papa also unglücklich, wirkt sich das auch auf die Stimmung der Kinder aus, egal wie sehr ihr „heile Welt“ zu spielen versucht.
  • Kinder lernen ihr Verhalten durch Nachahmung und orientieren sich dabei in erster Linie an den Eltern. Erleben sie tagtäglich Streit, schlechte Laune oder gleichgültiges nebeneinanderher leben, wirkt sich das auf ihr eigenes Sozial- und späteres Beziehungsverhalten aus!

Nur wegen der Kinder zusammenzubleiben hat also mindestens genauso viele Nachteile, wie es (eventuell) Vorteile hat. Die Frage, welche Vorteile es überhaupt hat, lasse ich hier mal absichtlich so im Raum stehen …

Und nicht zuletzt hast auch du als Elternteil ein Recht darauf, glücklich zu sein! Du hast nur dieses eine Leben und das solltest du nicht den Kindern zuliebe „aufgeben“.

Wie schlimm ist eine Trennung für Kinder?

Selbstverständlich ist eine Trennung für Kinder schlimm. Und ganz egal, wie die Familiensituation ist – Kinder wünschen sich fast IMMER, dass die Eltern zusammenbleiben. Sie kennen ja bisher auch nichts anderes und können sich nicht vorstellen, was nach einer Trennung auf sie zukommt. Das macht ihnen logischerweise Angst.

Mädchen leidet darunter, weil Eltern gegeneinander agieren

Aber auch nach einer Trennung oder Scheidung wünschen sich Kinder meistens, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen. Sie haben zu beiden eine besondere Verbindung und daher ist dieser Wunsch normal.

Trotzdem treffen letztendlich die Erwachsenen die Entscheidung, nicht die Kinder! Mama und Papa entscheiden über ihr eigenes Leben, ihre Partnerschaft und ihr Glück. Wie schlimm die Trennung dann für die Kinder wird, darauf hat das Verhalten der Eltern einen maßgeblichen Einfluss!

Grundsätzlich gilt:

  • Je besser die Eltern die Trennung verkraften, desto besser kommen auch die Kinder damit klar.
  • Das Verhalten der Eltern und ihr Umgang miteinander sowie mit den Kindern hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie gut die Trennung verkraftet wird.
  • Trennungskinder sind nicht automatisch unglücklich, traumatisiert, verhaltensauffällig oder sonst wie „geschädigt“.
  • Studien ergeben, dass Kinder eine Trennung nach ca. 2 – 3 Jahren vollständig verarbeitet haben und in der Regel dann keine Auffälligkeiten gegenüber Kindern aus intakten Familien zeigen.

In welchem Alter verkraften Kinder eine Trennung am besten?

Kurz gesagt: Es gibt kein spezielles Alter, in dem die Kinder eine Trennung besser oder schlechter verkraften. Auch hier ist das Verhalten der Eltern entscheidend.

Wenn das Kind zum Beispiel noch im Säuglingsalter, oder mit 2 bis 3 Jahren in der heißesten Phase der Trotzphase oder Autonomiephase ist, bekommt es die Trennung noch nicht so bewusst mit. Allerdings ist zu beachten, dass es nur dann eine enge Bindung zu beiden Elternteilen aufbauen kann, wenn es diese sehr häufig sieht. Das sollte bei der Wahl der Umgangsregelung bedacht werden.

Kindergarten- und Schulkinder erleben die Trennung hingegen schon sehr bewusst mit. Hier brauchen die Eltern viel Geduld und Verständnis, um dem Kind zu helfen, mit der Situation klarzukommen (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Und ja – je älter das Kind ist, desto besser kann man ihm die ganze Sache erklären. Das macht es aber für das Kind nicht unbedingt leichter oder schwerer.

Bei Teenagern ist es dann eventuell einfacher, die gesamte Situation zu besprechen – vielleicht passiert aber auch genau das Gegenteil und das Kind verweigert jedes Gespräch. Kinder sind in der Pubertät oft schon mit ihren eigenen Veränderungs- und Abnabelungsprozessen überfordert. Daher kann es sein, dass sie eine Trennung der Eltern erst recht (vorübergehend) aus der Bahn wirft.

Und sollten die Eltern mit der Trennung warten, bis die Kinder aus dem Haus sind, kann das ebenfalls zu Unverständnis, Vorwürfen oder sogar Schuldgefühlen führen. Wie fühlt sich für dich der Gedanke an, dass deine Eltern vielleicht 20 Jahre lang unglücklich zusammengeblieben sind – deinetwegen!?

Wie du siehst, gibt es in jeder Altersstufe Schwierigkeiten. Also: 

Macht die Trennungsentscheidung nicht davon abhängig, wie alt euer Kind ist.

In 2 Punkte spielt das Alter des Kindes jedoch sehr wohl eine Rolle: 

1. Bei der Regelung des Umgangs nach der Trennung. Hier gilt grundsätzlich: Je jünger das Kind ist, desto öfter sollte es Kontakt zu beiden Elternteilen haben.

2. Je nach Reifegrad des Kindes verfügt dein Kind über unterschiedliche Fähigkeiten, sich zu binden. Hier gilt: Je tiefer die Bindung ist, desto leichter kann dein Kind bei körperlicher Trennung an dir oder am anderen Elternteil in seinen Gedanken festhalten. 

Wenn dein Kind stark in Abwehr ist und Wutanfälle bei der Übergabe hat, braucht es unbedingt eure Begleitung. Dazu musst du wissen, dass Kinder unter ca. 7 Jahren nur an einer Bindungsperson zu einer Zeit halten kann. Wenn dein Kind gerade bei dir ist, ist es deine Aufgabe der Vermittler zum anderen Elternteil zu sein. Du bist die Brücke zwischen deinem Kind und dem anderen Elternteil. Das klappt am besten, wenn du zuerst mit dem anderen Elternteil plauderst, ihr euch freundlich begegnet, ein paar nette Worte austauscht, vielleicht kurz zu Dritt etwas spielt, du dem anderen Elternteil etwas Liebevolles vom Kind erzählst. Beziehe dein Kind in das freundliche Gespräch mit ein und fördere so, dass das Kind sich dem anderen Elternteil öffnen kann. 

Lade dir dazu den kostenlosen Leitfaden „Trennung mit Kindern – Wie geht es jetzt weiter?“ inklusive praktischer Checkliste herunter.

13 Tipps zur Vorgehensweise & Unterstützung der Kinder bei einer Trennung

Wie ich eingangs bereits schrieb, ist in erster Linie das Verhalten der Eltern entscheidend, wie gut oder schlecht eine Trennung von den Kindern verkraftet wird.

Grundsätzlich gilt:

Je weniger Drama die Erwachsenen veranstalten, desto weniger dramatisch empfindet auch euer Kind die ganze Situation.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Deswegen hab ich hier ein paar konkrete und praxisbewährte Tipps für dich:

1. Miteinander statt gegeneinander

Egal wie schwer es euch auch fällt: Versucht im Sinne der Kinder bei der Trennung an einem Strang zu ziehen! Alle Tipps, die ich dir hier gebe, wirken natürlich wesentlich besser, wenn sie von BEIDEN Elternteilen umgesetzt werden. Zeige gerne deinem Partner / deiner Partnerin diesen Artikel hier und bitte ihn/sie, sich ebenfalls an die genannten Tipps zu halten.

Das gilt übrigens auch für Großeltern, Tante/Onkel, Freunde etc. !!!

2. Das Timing – Trennung ja, nein, vielleicht?

Es ist wichtig, eure Kinder darüber zu informieren, wenn ihr euch trennen wollt. Aber bitte erst, wenn der Entschluss wirklich fest steht.

Kompass für die Trennung mit Kindern

Ständige Androhungen (z. B. im Streit zu rufen „Ich hab echt die Nase voll, ich lass mich scheiden!“) verunsichern Kinder total und machen ihnen unnötig Angst. Auch, wenn ihr erst noch eine Familien- bzw. Paartherapie ausprobiert, müsst ihr mit den Kindern noch nicht über eine mögliche Trennung sprechen.

 Sobald ihr euch als Paar jedoch entschieden habt, getrennte Wege zu gehen, informiert die Kinder. Sie ahnen es meistens ohnehin schon.

3. Wie sagen wir es den Kindern?

Sprecht am besten gemeinsam mit eurem Kind bzw. euren Kindern. Bei Geschwistern mit einem größeren Altersunterschied (2, 3 oder mehr Jahre auseinander) redet am besten mit jedem Kind separat.

Versucht die Trennung kindgerecht zu vermitteln und zu erklären. Es gibt auch tolle Bücher dazu, die euch helfen. Haltet die Erklärungen möglichst einfach, zu viele Worte verwirren Kinder. Redet ruhig und gefasst.

Je selbstbewusster ihr euren Entschluss vermittelt, desto besser. Unsicherheit überträgt sich sofort auf die Kinder! Andersherum überträgt sich auch deine Sicherheit direkt auf dein Kind. Das wiederum stärkt das Selbstbewusstsein und die Resilienz bei Kindern

4. Ängste vor der Zukunft

Kinder haben keine Vorstellung davon, was es wirklich bedeutet, dass sich Mama und Papa trennen. Versucht ihnen deshalb so klar wie möglich zu vermitteln, wie es nun weitergeht. Wer wird wo wohnen? Wie oft wird euer Kind euch sehen? Wann, wie oft und wie lange wird es bei Mama und bei Papa sein? Wer holt es aus der Kita/Schule ab?

Ein Kind schaut auf einen Wochenplan

Kinder machen sich oft Sorgen, an die wir Erwachsenen gar nicht denken. Zum Beispiel, ob sie dann noch ein Kinderzimmer haben werden. Oder was mit den Haustieren passiert. Fragt euer Kind daher (je nach Alter) und ermuntert es, alle Gedanken auszusprechen!

Wichtig: Seid ehrlich, nehmt dem Kind die Zukunftsängste, macht aber auf keinen Fall irgendwelche Versprechungen, die ihr dann nicht halten könnt!

5. Vorsicht, Schuldgefühle!

Kinder haben sehr oft das Gefühl, sie wären schuld an der Trennung der Eltern. Das zeigt sich meistens darin, dass sie sich plötzlich ganz brav verhalten, ihr Zimmer aufräumen oder ähnliches. Dahinter steckt die Hoffnung: Wenn ich ganz lieb bin, wird alles wieder gut.

Versichert eurem Kind also unbedingt und ganz deutlich, dass es NICHT schuld ist an der Trennung und dass Mama und Papa es weiterhin ganz doll lieb haben!

Beobachtet ihr das eben erwähnte ängstliche Verhalten bei Kindern, sprecht euer Kind darauf an und fragt behutsam nach, ob es sich schuldig fühlt. Und dann erklärt ihm nochmals, dass es absolut KEINE Schuld hat an der Trennung!

6. Verständnis – das A und O

Ganz egal, wie dein Kind auf die Trennung reagiert – hab Verständnis für sein Verhalten! Es ist eine extrem schwierige Situation, für alle Beteiligten. Du selbst musst die Trennung ja auch erstmal verkraften, egal ob du sie selbst gewollt hast oder dein Partner / deine Partnerin die Entscheidung getroffen hat.

Du weißt vielleicht selbst nicht so richtig, wie es nun weitergeht. Und dein Kind hat erst recht keine Ahnung!

Also akzeptiere, wenn es weint oder Wutanfälle bekommt, aggressives Verhalten zeigt, wenn es plötzlich bettnässt oder nicht einschlafen kann oder Schwierigkeiten in Kita/Schule auftreten. Bestrafe dein Kind nicht dafür. Erfülle aber nicht jeden Wunsch aus Angst, dass es noch trauriger wird. 

Eine bedürfnisorientierte Erziehung ist in so einer Situation besonders hilfreich. Mehr dazu erfährst du hier:

Bedürfnisorientierte Erziehung – praktische Tipps für jede Altersstufe

7. Die Zukunft planen

Je nach Alter des Kindes solltet ihr es an der Zukunftsplanung beteiligen. Natürlich nur im Rahmen der Möglichkeiten.

Denkt immer daran:

Ihr seid die Erwachsenen, ihr entscheidet und legt die Rahmenbedingungen fest. Innerhalb dieser sollte das Kind jedoch mitentscheiden dürfen.

Wichtig: Seid ehrlich, nehmt dem Kind die Zukunftsängste, macht aber auf keinen Fall irgendwelche Versprechungen, die ihr dann nicht halten könnt!

So kann das Kind z. B. zu Wohnungsbesichtigungen mitkommen, sich einen Raum als Kinderzimmer aussuchen oder entscheiden, ob die Schaukel bei Mama oder bei Papa stehen soll.

Plant selbst so gut wie möglich, wie es nach der Trennung weitergeht. Entscheidet euch für ein Betreuungsmodell usw. Je klarer ihr selbst seid, umso mehr Sicherheit vermittelt ihr auch eurem Kind.

Da dieses Thema super wichtig ist, kannst du dir hier einen kleinen Leitfaden inklusive praktischer Checkliste downloaden:

8. Psychoterror und Rosenkrieg – niemals vor den Kindern!

Auch wenn es schwerfällt – sprich im Beisein deines Kindes NIEMALS schlecht über den anderen Elternteil!!!

Ja, ich weiß … du bist enttäuscht, verletzt, wütend, was auch immer. Das darfst du auch sein, aber das hat bei deinem Kind nichts zu suchen. Lass deine Gefühle bei deiner Freundin, deinem Kumpel, deiner Mutter, den Kollegen oder irgendwo raus, aber nicht beim Kind!

Kinder lieben bedingungslos. Und zwar beide Elternteile. Deinem Kind ist vollkommen egal, ob Papa ein Idiot ist oder Mama fremdgegangen ist. Ob ihr ums Sorgerecht oder den Unterhalt streitet. Ob du den neuen Partner deiner/s Ex blöd findest oder oder oder … Haltet das Kind da raus! Es wird sonst nur unnötig psychisch belastet. Besonders Kinder mit Autismus, gefühlsstarke Kinder und hochsensible Kinder haben sowieso schon enorme Schwierigkeiten, mit den überfordernden Gefühlen umzugehen. 

Vermeide außerdem Schuldzuweisungen! Mit Aussagen wie „Mama/Papa ist schuld, weil er XYZ gemacht hat!“ kann das Kind nichts anfangen. Es kommt dann nur unnötig in Loyalitätskonflikte.

Sprich möglichst positiv oder zumindest neutral über das andere Elternteil. Ermögliche deinem Kind auch, dass es das andere Elternteil vermissen darf. Kinder vermissen logischerweise das Elternteil, was gerade nicht da ist. Sie trauen sich jedoch diese Gefühle nicht einzugestehen, aus Sorge, dass das andere Elternteil dann beleidigt ist. Stehe deinem Kind bei und lass dein Kind traurig sein. Lass auch Tränen zu und begleite dein Kind mit Sätzen wie "Ach ich weiß, du vermisst gerade den Papa / die Mama ganz viel... lass die Traurigkeit raus, ich bin für dich da. Gemeinsam schaffen wir das."

Wenn dein Kind gerade das andere Elternteil stark vermisst, ermögliche ihn Verbindung zu schaffen. Entweder direkt mit Telefonieren, Sprachnachricht oder gemeinsames Fotos ansehen vom anderen Elternteil. 

9. Auf die Wortwahl kommt es an

Achte sehr bewusst auf deine Worte. Schon Bemerkungen wie „Also Mama/Papa hätte dich ja auch mal in die Badewanne setzen können!“ oder „Wie? Gab es schon wieder Pommes zu Mittag?“ sind Dinge, die du bitte direkt mit deiner/deinem Ex klärst! Dem Kind gegenüber solltest du dir solche Kommentare verkneifen.

Das Kind kommt dann in einen Gewissenskonflikt, denn es hält grundsätzlich zu beiden Elternteilen. Und was soll es auch dazu sagen?

10. Dein Kind ist kein Trostpflaster

Vermeide es, dich bei deinem Kind „auszuheulen“ bzw. bei ihm Trost zu suchen. Kinder brauchen Sicherheit – insbesondere im Fall einer Trennung – und das Gefühl, dass Mama und Papa die Situation im Griff haben.

Eine Mutter heult sich bei ihrem Kind über die Trennung vom Partner aus

Das heißt natürlich nicht, dass du jetzt Stärke und Coolness vorspielen sollst. Es ist völlig okay, deine Gefühle zu zeigen. Aber erkläre deinem Kind, warum du traurig bist und weinen musst. Ohne Erklärung sind Kinder völlig überfordert mit solchen Emotionen.

Und: Bitte achte darauf, jetzt nicht wie Helikopter-Eltern dein ganzes Leben auf dein Kind auszurichten und es vor allen negativen Erfahrungen schützen zu wollen. Vermeide außerdem, dir bei deinem Kind Liebe und Zuwendung zu holen oder deine Probleme mit ihm zu besprechen. Dafür sind Freunde und andere Familienmitglieder da.

Ein Kind ist kein Partnerersatz!

11. Lass dich unterstützen

Eine Trennung ist für alle Beteiligten schwierig und emotional herausfordernd. Dazu kommt noch, dass du ab sofort viele Dinge alleine stemmen musst – von der Kinderbetreuung bis hin zu finanziellen Aspekten. Das kann dich enorm belasten und wirkt sich damit auch negativ auf dein Kind aus.

Deswegen nimm jede Hilfe in Anspruch, die du bekommen kannst. Du musst das nicht alles alleine bewältigen, auch wenn dir dein Stolz vielleicht etwas anderes sagt. Lass dir von Familie, Freunden, Nachbarn usw. helfen, beispielsweise bei der Kinderbetreuung.

Nimm auch staatliche Hilfe in Anspruch, wenn es z. B. um finanzielle Zuschüsse geht.

Und nicht zuletzt: Such dir (oder deinem Kind) gegebenenfalls psychologische Begleitung, um die Trennung besser zu verarbeiten. Das ist überhaupt nicht schlimm. Du tust dir selbst und deinem Kind damit einen großen Gefallen!

12. Keine heile neue Welt

Solltest du eine/n neue/n Partner/in haben, dann präsentiere es deinem Kind nicht als „Schau mal, jetzt sind wir wieder eine glückliche Familie.“

Für dein Kind ist und bleibt der leibliche Elternteil stets die Nummer 1. Der neue Mensch an deiner Seite kann ein „Bonus-Papa“ oder eine „Bonus-Mama“ sein, wird jedoch niemals den anderen Elternteil ersetzen können. Das sollten alle Beteiligten akzeptieren und sich dem Kind gegenüber auch so verhalten.

Wie du siehst, könnt ihr als Eltern einiges beachten, um eurem Kind die Trennung ein wenig leichter zu machen.

Und habt Geduld!

Eine Trennung oder Scheidung zu verarbeiten, braucht Zeit. Dem einen gelingt das schneller, der andere braucht länger. Kinder brauchen ca. 2 - 3 Jahre, um sich voll an die neue Situation zu gewöhnen, also gestehe ihnen diese Zeit auch zu.

Dabei ist das gesamte erste Jahr besonders herausfordernd, denn alles geschieht zum ersten Mal in neuer Form: Das erste Weihnachtsfest als getrennte Familie, der erste Urlaub nur mit Mama oder Papa, der erste Kindergeburtstag usw. Vermittle unbedingt deinem Kind, dass es okay ist gewisse Feierlichkeiten bei dem anderen Elternteil zu feiern. Dein Kind kann nicht entspannt und mit Freude ein Fest feiern, wenn es Loyalitätskonflikte hat und befürchten muss, dass du traurig bist. Dein Kind soll mit einem guten Gefühl bei anderen Elternteil sein dürfen - auch an Feiertagen. 

Du selbst kommst vielleicht schneller damit klar, aber dann hab trotzdem Verständnis, wenn dein Kind etwas länger braucht. Um das Selbstbewusstsein deines Kindes zu stärken, eignen sich die StarkeKids Mentalgeschichten hervorragend. 

Dazu möchte ich dir auch noch folgenden wichtigen Punkt mit auf den Weg geben:

Die Prägung der Eltern: Von Ängsten, Erfahrungen, Mustern und Glaubenssätzen

Sehr oft übertragen die Eltern ihre eigenen Ängste und Sorgen unbewusst auf die Kinder. Oder auch ihre Erfahrungen und Erwartungen…

Wer beispielsweise selbst als Kind die Trennung der Eltern miterlebt und sehr darunter gelitten hat, der möchte den eigenen Kindern diese Erfahrung gerne ersparen. Gleichzeitig hat er/sie die Chance, es besser zu machen als die eigenen Eltern.

Ein Vater denkt an seine eigene Kindheit und die Trennung seiner Eltern zurück: Das möchte er seinem Kind ersparen!

Wer hingegen in einer intakten Familie aufgewachsen ist, wünscht sich das auch später fürs eigene Leben. Klappt das dann nicht, haben manche Eltern das Gefühl, sie hätten versagt. Außerdem ist dann oft der Glaubenssatz verankert, dass Kinder nur in einer „heilen“ Familie glücklich aufwachsen können.

Hier gilt es, zunächst mal die eigenen Muster anzuschauen!

Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • Welche Erfahrungen hast du mit Trennungen gemacht (als Kind oder auch im Freundes- oder Verwandtenkreis)?
  • Welche Glaubenssätze hast du in Bezug auf Partnerschaft, Familie und Trennung/Scheidung?
  • Wie hast du als Kind euer Familienleben und den Umgang deiner Eltern miteinander erlebt? Was davon möchtest du genauso leben, was möchtest du anders machen?
  • Welche Werte möchtest du deinem Kind vermitteln, vor allem auch in Bezug auf Familie und Partnerschaft?

Insbesondere beim letzten Punkt lohnt sich dann ein Blick auf dein eigenes (Beziehungs-)Verhalten. Was lebst du bzw. lebt ihr eurem Kind vor? Und was möchtet ihr ihm vorleben?

Nutze die Antworten auf diese Fragen, um auch dich selbst immer wieder zu reflektieren und deinem Kind ein Vorbild zu sein.

Nach der Trennung: Welche Umgangsregelung ist die Beste?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort.

Zwar sagt man, dass das sogenannte Wechselmodell den Kindern grundsätzlich guttut – also wenn sie längere Phasen bei einem Elternteil verbringen (z. B. jeweils eine Woche) – aber das hängt unter anderem vom Alter des Kindes und vielen weiteren Faktoren ab.

Möglich ist dieses Modell sowieso nur, wenn die getrennten Eltern im gleichen Umfeld wohnen, sodass das Kind die gleiche Kita/Schule besuchen und den gleichen Freundeskreis treffen kann. Ziehen die Elternteile weiter auseinander, bleibt nur die Variante des Residenzmodells. Dabei besucht das Kind ein Elternteil nur am Wochenende.

Es gilt abzuwägen, was sowohl für das Kind als auch für die Eltern das Beste ist. Denn eine Lösung, von der die Elternteile völlig gestresst und überfordert sind, bringt letztendlich auch dem Kind nichts.

Viel wichtiger als das „wann, wie oft, wie lange“ sind klare Absprachen und Verlässlichkeit. Das Kind sollte genau wissen, wann es bei Mama und wann es bei Papa ist.

Abweichungen von der Vereinbarung sollten die absolute Ausnahme bleiben. So bekommt das Kind wieder Sicherheit und eine Routine in seine Lebensstruktur. Gerade bei Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren ist Struktur im Alltag wichtig, denn der Schulanfang bedeutet schon eine große Umstellung für sie (mehr dazu im Artikel zur Wackelzahnpubertät).

Tipp: Lies dazu auch den Artikel zum Thema Regeln für Kinder. Dort findest du weitere Tipps und Strategien, um deinem Kind mehr Sicherheit und Struktur im Alltag zu vermitteln. 

Ab einem gewissen Alter könnt ihr dem Kind auch ein Mitspracherecht einräumen. Aber auch hier gilt: Kein spontanes „Ach, heute will ich mal hier und morgen da sein“, sondern trefft langfristige Absprachen, die dann auch eingehalten werden. Und konfrontiert das Kind bitte nicht mit der Frage, bei wem es lieber ist. Es wird fast immer den Elternteil benennen, von dem es gefragt wird!

Typische Fragen, Sorgen und Probleme

An dieser Stelle möchte ich noch auf ein paar typische Fragen und Probleme eingehen, die bei einer Trennung mit Kindern oft auftauchen …

1. Wie ist das mit Unterhalt, Sorgerecht usw.?

Wenn du ernsthaft über eine Trennung nachdenkst, informiere dich über diese Aspekte. Es gibt dazu jede Menge Möglichkeiten: Im Internet, beim Jugendamt, bei Familienberatungsstellen. Es würde den Rahmen des Artikels sprengen, diese Punkte hier ausführlich zu erläutern.

Je besser du informiert bist, desto gestärkter gehst du in die Trennung und das vermittelt wiederum deinen Kindern mehr Sicherheit.

2. Ich schaffe es nicht, mich zu trennen wegen der Kinder

Stell dir zunächst die Frage: „Würde ich mich trennen, wenn wir keine Kinder hätten?“

Ist die Antwort ein klares JA, dann versuche herauszufinden, was genau dich von einer Trennung mit Kind abhält. Sind es Zukunftsängste? Weißt du nicht, wie du dein Kind alleine versorgen sollst? Oder hast du Angst, dass dein Kind die Trennung nicht verkraftet?

Was auch immer es ist – hol dir Hilfe! Sprich mit Freunden, deiner Familie oder such dir eine Beratungsstelle. Die gibt es in der Regel in allen größeren Städten oder auch online im Internet.

3. Mein/e Ex verhält sich unmöglich

Du bemühst dich um einen freundlichen und respektvollen Umgang, aber dein/e Ex spielt da nicht mit? Er/sie verhält sich unmöglich… macht dich z. B. dem Kind gegenüber schlecht, nutzt euer Kind als Druckmittel oder belastet die Kinder mit seinen persönlichen Sorgen?

In dem Fall versuche zunächst das Gespräch zu suchen. Stelle dabei das Wohl des Kindes in den Vordergrund und bitte deine/n Ex, sämtliche Streitigkeiten ausschließlich mit DIR zu klären.

Wenn das alles nichts bringt, musst du es wohl oder übel akzeptieren. Den Kontakt zum anderen Elternteil kannst du nur unterbinden, wenn der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung vorliegt…

Versuche dann trotzdem, deinem Kind gegenüber selbst immer freundlich über den anderen Elternteil zu sprechen. Eventuell kannst du auch erklären, warum Mama/Papa sich so verhält. Zum Beispiel, dass Mama/Papa sehr traurig ist und deswegen manchmal gemeine Sachen sagt, die sie/er eigentlich gar nicht so meint.

Vermeide auf jeden Fall, selbst in negative Aussagen über die/den andere/n zu verfallen.

4. Mein Kind will partout nicht zum anderen Elternteil

Hier gilt es zunächst zu klären, was die Gründe dafür sein könnten. Warum fühlt es sich dort nicht wohl? Was müsste sich ändern, damit es gerne zu Mama/Papa geht? Die Gründe sind sehr vielfältig und nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass das Kind nicht zum Papa / zur Mama möchte. Vielen Kindern - vor allem jungen Kindern - fallen Übergänge allgemein sehr schwer. 

Deshalb hier noch konkrete Tipps:

  • Check deine Einstellung: Kinder spüren auch, wenn du selbst einen inneren Widerstand hast. Sie möchten dann unter Umständen nur deswegen nicht zum anderen Elternteil, weil sie merken, dass DU ein Problem damit hast. Überprüfe also auch mal deine eigene Einstellung.
  • Wirf auch alle Erwartungen von Bord, wie sich dein Kind verhalten soll, wenn es dich wiedersieht. Wir Erwachsene denken oft: "Wir haben uns jetzt 3 Tage nicht gesehen, da MUSS es sich doch freuen." Es ist jedoch oft so, dass die Trennung zu schmerzhaft für dein Kind war und dein Kind dich zunächst ablehnt um sich selbst vor weiteren Verletzungen zu schützen. Das ist völlig normal und das menschliche Gehirn reagiert instinktiv so. 
  • Bereite dein Kind vor, gibt Orientierung und fokussiere dich auf das nächste Wiedersehen. Das kann dann wie folgt aussehen: "Wenn ich dich übermorgen vom Kindergarten abhole, dann fahren wir nach hause und kuscheln gaaaanz lange auf der Couch. Papa / Mama wird dich heute nach dem Abendessen holen und er hat mir schon erzählt, dass er dir eine ganz tolle Gute-Nacht-Geschichte erzählen wir."
  • Übergänge spielerisch gestalten tut dem Kind ebenso gut. Viele Kinder verstecken sich, wenn es Zeit wird, vom anderen Elternteil abzuholen. Bitte nehmt das nicht persönlich! Das Verstecken ist eine Aufforderung um zu spielen. Verstecken ist ein Spiel, in dem die Kinder die Trennung verarbeiten können. Denn es geht um Trennung und Wiedervereinigung.
  • Neutraler Ort: Es kann auch helfen, dass ihr euch auf einem Spielplatz trefft, noch gemeinsam ein wenig spielt und ihr euch dann voneinander verabschiedet. Oder du bringst das Kind und abgeholt wird es vom anderen Elternteil. Wichtig dabei ist, dass dein Kind genau weiß, wer es abholen kommt.

Im Idealfall klärt ihr alles in einem Gespräch mit beiden Elternteilen. Achtet jedoch darauf, dass sich das Kind nicht unter Druck gesetzt fühlt oder in Loyalitätskonflikte gerät.

Wichtig ist, möglichst flexibel zu bleiben und nicht auf das eigene "Recht" zu beharren. 

5. Mein Kind will, dass wir wieder zusammen kommen

Es ist völlig normal, dass sich Kinder wünschen, Mama und Papa würden wieder zusammenkommen. Selbst nach Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen kommt es vor, dass Kinder nicht glücklich über die Trennung sind!

Lass dich davon nicht in deiner Entscheidung verunsichern. Dein Kind hat eine besondere Bindung zu beiden Elternteilen und kennt ja bisher wahrscheinlich auch nur das Modell „Familie“.

Je älter es wird, desto besser wird es deine bzw. eure Entscheidung verstehen und akzeptieren können.

So. Ich hoffe, meine Tipps zum Thema Trennung mit Kindern haben dir geholfen. Lass mich die wichtigsten Dinge noch einmal kurz zusammenfassen: 

Zusammenfassung

Folgendes solltest du dir merken: 

Trennung mit Kindern – erste Schritte

  • Werdet euch zunächst als Eltern einig, bevor ihr mit den Kindern sprecht.
  • Klärt möglichst schon konkret, wie es nach der Trennung weitergeht
  • Sprecht dann offen und ehrlich – am besten gemeinsam – mit eurem Kind.

So solltet ihr bei einer Trennung mit Kindern vorgehen

  • Informiert eure Kinder möglichst in einer ruhigen und entspannten Situation, eventuell an einem Freitag oder vor den Ferien. So muss es nicht sofort am nächsten Tag mit allen Sorgen und Gedanken zur Kita/Schule.
  • Versucht dem Kind eine möglichst positive Zukunft zu vermitteln. Erklärt so konkret wie möglich, wo es dann wohnen wird, wann es Mama und Papa sehen wird usw. Wir Erwachsenen planen und durchdenken das alles und vieles ist für uns logisch und selbstverständlich – ein Kind hat jedoch keine Ahnung, was es erwartet.

Zum Abschluss habe ich hier noch häufig gestellte Fragen für dich zusammengefasst:

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist bei einer Trennung mit Kindern zu beachten?

Nehmt die Gefühle, Sorgen und Ängste eurer Kinder ernst. Redet, hört zu, tröstet und akzeptiert, dass die Situation für sie erstmal sehr schlimm ist.

Achtet unbedingt auf einen respektvollen Umgang miteinander. Konflikte niemals vor dem Kind austragen!

2. Wie verkraften Kinder eine Trennung?

Wie gut ein Kind die Trennung verkraftet, hängt viel vom Verhalten der Eltern ab. Je besser diese mit der Situation klarkommen, desto besser gelingt es auch dem Kind.

In der Regel haben Kinder eine Trennung nach 2 – 3 Jahren verarbeitet und zeigen keine Auffälligkeiten gegenüber Nicht-Trennungskindern.

3. In welchem Alter verkraften Kinder eine Trennung am besten?

In welchem Alter Kinder eine Trennung am besten verkraften, lässt sich pauschal nicht beantworten. Jedes Alter hat besondere Herausforderungen.

Lies dazu auch hier: In welchem Alter verkraften Kinder eine Trennung am besten?

4. Wer muss ausziehen bei einer Trennung mit Kindern?

Grundsätzlich haben beide Elternteile das gleiche Recht, in der gewohnten Umgebung zu bleiben.

Die Annahme: „Wer die Kinder behält, darf auch das Haus / die Wohnung behalten“ ist nicht richtig. Informiere dich da am besten bei einem Anwalt für Familienrecht.

5. Wo finde ich Hilfe und Unterstützung?

 Hilfe und Unterstützung zu einer Scheidung oder Trennung mit Kindern bekommst du beim Jugendamt, Sozialamt oder Familienberatungsstellen. Informiere dich im Internet über Ansprechpartner in deiner Nähe. In vielen Städten gibt es kostenlose Beratungsstellen.

Auch für Kinder und Jugendliche selbst gibt es natürlich Unterstützung:

  • Kindernotdienst: 030 61 00 61
  • Jugendnotdienst: 030 61 00 62 - ab 14 Jahre
  • Deutscher Kinderschutzbund: 030 45 80 29 31
  • Nummer gegen Kummer:
    Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
    Elterntelefon: 0800 111 0550

Beide Rufnummern können anonym und kostenlos vom Handy und Festnetz angerufen werden.