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Regeln für Kinder: Diese 3 Regeln braucht jedes Kind

Eins ist sicher: Regeln für Kinder sind wichtig. Sie helfen bei der Orientierung und schaffen Sicherheit. 

Doch zu viele Regeln können genau das Gegenteil bewirken...

In diesem Artikel verrate ich dir, wieso die meisten Regeln für Kinder mehr schaden als helfen und wie du mit nur 3 einfachen Regeln (+ Geheimzutat) ein harmonisches Familienleben erreichst. 

Neugierig? Na dann, los!

Regeln für Kinder Titelbild: Kind steht vor einem Plakat mit Regen für Kinder und zeigt mit dem Daumen nach oben

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Warum sind Regeln wichtig für Kinder?  

Aus Kinderaugen betrachtet ist die Welt ein riesiger Abenteuerspielplatz: voller Wunder und neuer Entdeckungen. Gleichzeitig ist sie aber unübersichtlich, unberechenbar und chaotisch.

Für Kinder ist die Welt unübersichtlich und ein Abenteuerspielplatz

Und genau weil sich dein Kind in dieser Welt noch nicht alleine zurechtfindet, braucht es Hilfe bei der Orientierung: Regeln.

Durch Regeln versteht dein Kind die Welt besser und findet sich in ihr besser zurecht. Besonders für ängstliche Kinder sind Regeln wichtig, denn sie schaffen Sicherheit und Vertrauen. Beides zusammen bildet das Fundament für die freie, selbstbewusste Entwicklung deines Kindes. 

Zudem fördern Regeln den gegenseitigen Respekt. Respekt verbessert das soziale Zusammenleben innerhalb der Familie, sodass Konflikte gar nicht erst entstehen. Das kann vor allem in der Trotzphase helfen. 

Wie du siehst, bilden Regeln 3 wichtige Grundlagen für die Entwicklung deines Kindes: Sicherheit, Vertrauen und das Lernen von respektvollem Miteinander.

Doch warum hört dein Kind nicht auf deine Regeln, wenn sie so wichtig und hilfreich für es sind…? 

Warum dein Kind deine Regeln missachtet

Zuerst musst du verstehen: Kinder missachten Regeln nie um dich zu ärgern, sondern weil sie nicht anders KÖNNEN. Der Grund dafür ist: Kinder handeln impulsiv und unzuverlässig.

Lass mich genauer erklären, warum dein Kind nicht hört:

Kinder, vor allem unter 7 Jahren, denken nicht, bevor sie handeln. Das ist normal. Stattdessen handeln sie aus einem Gefühlsimpuls heraus.

Das bedeutet: Auch, wenn dein Kind dir jedes Mal versichert, dass es die Regel versteht und sich von nun an daran halten will - der nächste Regelverstoß ist vorprogrammiert.

Ein Beispiel: Es gilt die Familienregel, nicht auf dem Sofa rumzuhüpfen. Dein Kind versteht die Regel und dass das Sofa davon kaputtgehen kann. Es hat eingewilligt, nicht mehr auf dem Sofa zu hüpfen. Aber nun kommt die Lieblingsoma zu Besuch - eine riesen-supertolle Überraschung für dein Kind! Die Begeisterung überrollt dein Kind wie eine Welle und schwupps! - steht es wieder auf dem Sofa und hüpft vor Freude.

Kurz zusammengefasst: 

  • Dein Kind kann seine Gefühle noch nicht kontrollieren
  • Starke Gefühle deines Kindes steuern sein Verhalten
  • Die logische Schlussfolgerung lautet: Dein Kind kann sein Verhalten unter starken Gefühlen nicht kontrollieren und handelt somit impulsiv

Jetzt willst du sicher wissen, wie du es schaffst, dass deine Kinder deine Regeln einhalten, oder? 

Ganz einfach: Weniger Regeln führen zu weniger Regelverstößen…

Regeln für Kinder: Weniger ist MEHR

Vor allem Helikopter-Eltern neigen dazu, viele Regeln aufzustellen. Wegen dieser 3 Gründe solltest du vermeiden, auf viele Regeln und Grenzen im Alltag mit Kindern zu bestehen: 

1. Weniger Druck

Je mehr Regeln du für dein Kind aufstellst, desto mehr Druck erzeugst du damit. Außerdem bieten mehr Regeln gleichzeitig mehr Potenzial für Regelverstöße, die bestraft werden. Dein Kind reagiert auf diesen Druck mit Gegendruck, also Gegenwillen oder Wutanfällen. Das treibt dich dazu, immer noch mehr Druck auszuüben. 

Daraus ergibt sich ein Teufelskreis:

  • euer Familienleben wird immer mehr zum Kampf
  • die Bindung zwischen dir und deinem Kind verschlechtert sich konstant

2. Mehr Sicherheit

Gerade bei jüngeren Kindern kann es auch sein, dass sie den Sinn der Regel gar nicht verstehen. Neben Druck erzeugst du damit auch Unsicherheit. Und das ist ja genau das Gegenteil von dem, was du eigentlich mit Regeln für Kinder bezwecken willst: Sicherheit. 

3. Mehr Vertrauen

Je mehr Vertrauen da ist, desto weniger Regeln werden gebraucht. Denn im gegenseitigen Vertrauen, dass jedes Familienmitglied sein Bestes gibt, lassen sich Fehler viel leichter verzeihen. Wenn etwas mal nicht so läuft wie abgesprochen, ist das ok. Denn jeder macht Fehler, egal ob Kinder oder Eltern. 

Das bedeutet nicht, dass Fehler einfach übergangen werden sollten. Aber kein Kind sollte Angst vor Strafen haben. Die offene, gewaltfreie Kommunikation und Erziehen ohne schimpfen sind der richtige Weg für mehr Harmonie in der Familie.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: 

Halte Regeln für Kinder zu Hause möglichst simpel, weil…

  • Wenige, klare Regeln für Sicherheit und weniger Konflikte sorgen
  • Viele Regeln für Unsicherheit und mehr Konflikte sorgen

Doch welche Regeln für Kinder solltest du nun aufstellen, und welche nicht? Das erfährst du im nächsten Abschnitt: 

Welche Regeln für Kinder?

Je weniger Regeln du aufstellst, desto leichter machst du es dir selbst und deinem Kind. Grundsätzlich gibt es genau 3 feste Regeln, die für ALLE Kinder gelten: 

  1. 1
    Keiner tut sich selbst weh.
  2. 2
    Keiner tut anderen weh.
  3. 3
    Keiner darf Dinge kaputt machen.

Tipp: Um diese 3 Regeln zu euren festen Familienregeln zu machen, könnt ihr sie ausdrucken und gut sichtbar an den Kühlschrank hängen:

Mit diesen 3 Regeln schaffst du für dein Kind das notwendige Grundgerüst für ein harmonisches Zusammenleben. Und weil wenige, klare Regeln automatisch mehr Gewicht haben als viele verschiedene, wird es deinem Kind auch leichter fallen, sie einzuhalten.

Viele Eltern zweifeln jedoch, allein mit diesen 3 Regeln im Alltag auszukommen. Schließlich regeln sie nicht die Hausaufgabenzeit, Medienzeit, Zubettgehzeit usw.:

Dann machen doch meine Kinder dann gar keine Hausaufgaben mehr! Oder sie kommen nie pünktlich nach Hause! Wie soll das gehen? Wie sollen diese Regeln für meine Kinder funktionieren?

Dieses Problem beseitigt diese eine besondere Zutat ganz von Zauberhand: Vertrauen.

Die Geheimzutat: Vertrauen

Eine gute Vertrauensbasis kann jede weitere Regel ersetzen. Denn Vertrauen kommt einer Selbstverpflichtung gleich. Hier ein paar Beispiele, wie du Regeln durch Vertrauensbeweise ersetzen kannst: 

  • Du musst um 21 Uhr zuhause sein!
  • “Erst wenn du deine Hausaufgaben gemacht hast, darfst du fernsehen!”
  • “Du musst Bescheid sagen, wenn du weggehst!”
  • “Ich vertraue dir, dass du nicht nach 21 Uhr heimkommst.”
  • “Ich vertraue dir, dass du deine Hausaufgaben trotzdem / dann später gewissenhaft erledigst.”
  • “Ich vertraue dir, dass du mir Bescheid gibst, bevor du weggehst.”

Wie du siehst, sorgt Vertrauen mindestens ebenso gut wie Regeln im Alltag für Struktur. Das beste daran ist, dass dabei auch für Flexibilität Platz ist. Das ist wichtig, denn schließlich läuft das Leben nicht immer glatt - vor allem nicht mit Kindern. 

Im Folgenden zeige ich dir, warum und wie genau du euer Familienleben besser mithilfe von Strukturen im Alltag statt Regeln gestaltest:

Besser als Regeln für Kinder: Struktur im Alltag mit Kindern

Strukturen dienen deinem Kind als Orientierung im Alltag und erlauben gleichzeitig Handlungsspielraum. Gerade hochsensiblen Kindern, Kindern mit Autismus oder Kindern in der Wackelzahnpubertät kann Struktur helfen, Aufregung zu minimieren. 

Strukturen legen das Ziel (z.B. Hausaufgaben müssen erledigt werden) fest, überlassen den Weg dorthin (wie, wann, wo, wie lange) jedoch deinem Kind.

Anstatt dein Kind sofort für “Regelverstöße” zu verurteilen, ermöglichen dir Strukturen eine liebevolle Führung, welche die Bedürfnisse deines Kindes berücksichtigt.

Denke kurz mal nach: Was wäre dir lieber...?

  • Ein perfekt durchgetakteter, auf Regeln basierender Alltag, aber niemand kann die Regeln einhalten
  • Ständige Anschuldigungen, wer gegen welche Regeln verstößt
  • Wiederholte Regelverstöße, die bestraft werden und für schlechte Stimmung sorgen, weil dein Kind sich unfair behandelt fühlt

Ich bin überzeugt davon: Für eine liebevolle Beziehung zu deinem Kind lohnt es sich, auf Perfektion zu verzichten.

Lass uns nun anschauen, wie du mehr Struktur in den Familienalltag bringst:

So schaffst du Struktur im Alltag mit Kindern

Die bewährteste Methode für mehr Struktur ist: Einen Plan machen. Das klingt vielleicht banal - aber gerade deshalb ist die Umsetzung so unkompliziert. 

Je nach Altersgruppe deines Kindes kann ein Plan unterschiedliche Form und Komplexität annehmen. Im folgenden stelle ich dir deshalb 3 altersgerechte Lösungen vor: 

Alle 3 Lösungen haben eines gemeinsam: Sie ermöglichen deinem Kind Entscheidungsfreiheit und dir selbst gleichzeitig Planungssicherheit.

Los geht’s mit den Kleinsten: 

1. “Mein Tag als Bild”-Plan für Kindergartenkinder

Kindergartenkinder können noch nicht so weit “in die Zukunft schauen”. Deshalb sollte jeder Tag für sich geplant werden. Am besten, ihr nehmt euch jeden Morgen 10 Minuten Zeit, um den Tagesplan festzulegen. 

Weil die Kleinen noch nicht Schreiben können, greifen wir auf Bilder zurück. So bastelt ihr einen coolen Tagesplan für dein Kind: 

Regeln für Kinder: Der Mein Tag als Bild”-Plan für Kindergartenkinder

Du brauchst: 1 Blatt buntes DIN-A3-Papier, DIN-A4-Papier, 2 Bögen festen Pappkarton, Kleber, Schere, Stifte, Kühlschrankmagnete 

Und so geht’s:

  1. 1
    Schneide vom DIN-A3-Papier einen langen, handbreiten Streifen ab. Den Rest des Papiers brauchst du nicht mehr. 
  2. 2
    Male an das linke Ende eine Sonne und an das rechte Ende einen Mond. Dazwischen ziehst du eine gerade Linie. Das ist der Zeitstrahl, der einen Tag von morgens (Sonne) bis abends (Mond) abbildet.
  3. 3
    Befestige den Zeitstrahl in guter Erreichbarkeit für dein Kind mit Magneten am Kühlschrank. 
  4. 4
    Jetzt kannst du mit deinem Kind gemeinsam überlegen, welche Aufgaben jeden Tag auf es zukommen: Zum Beispiel Zähneputzen, Anziehen, Frühstücken, in den Kindergarten gehen, auf den Spielplatz gehen, mit Autos spielen, ein Buch vorlesen usw. 
  5. 5
    Malt von jeder Tätigkeit ein kleines Bild von etwa 10 x 10 cm. Alternativ kannst du auch Bilder ausdrucken. 
  6. 6
    Klebt die Bilder auf den Pappkarton und schneidet sie einzeln aus. 
  7. 7
    Klebt auf die Rückseite von jedem Bild einen Küchenmagneten. 
  8. 8
    Jetzt kann es losgehen: Erkläre deinem Kind, dass es von nun an seinen Tag mit den Bildern planen darf. Dazu nehmt ihr ein Bild und dein Kind entscheidet, was es wann heute machen möchte. Natürlich gibt es ein paar Rahmenbedingungen, die du festlegen darfst: Morgens und Abends müssen die Zähne geputzt werden, aber es ist egal ob vor oder nach dem Anziehen usw. 

Tipp: Je nach Alter deines Kindes kann es sinnvoll sein, morgens nur den Morgen, nach dem Kindergarten den Nachmittag und danach erst den Abend zu planen. 

2. “Wilde Woche”-Wand für Grundschulkids

Grundschulkinder können bereits die ganze Woche überblicken. Deshalb bietet sich ein spielerischer Wochenplan an, den dein Kind eigenständig gestalten darf: 

“Wilde Woche”-Wand für Grundschulkids

Du brauchst: 1 Whiteboard + Abwaschbare Stifte (alternativ eine Tafel und Kreide), 

Und so geht’s:

  1. 1
    Schreibt als Überschrift auf das Board “(Name deines Kindes)’s Wilde Woche” 
  2. 2
    Zeichnet darunter eine Tabelle mit 7 Spalten und 2 Zeilen.
  3. 3
    Die Spalten benennt ihr von Montag bis Sonntag.
  4. 4
    Die Zeilen benennt ihr mit “vormittags” und “nachmittags”
  5. 5
    Dein Kind darf den Rand des Boards nach Belieben gestalten. 
  6. 6
    Dein Kind kann nun jede Woche aufs Neue Verabredungen, Aktivitäten und Termine in seinen Wochenplan eintragen. Dabei kann es sich aussuchen, ob es ein Bild malen will oder lieber schreibt. 

Tipp: Vorgefertigte Mehrzwecktafeln mit Wochenplan-Einteilung und Magnettäfelchen zum Beschreiben gibt es auch fertig zu Kaufen.

3. Familien-Forum für Teenies

Kinder ab 10 Jahren brauchen für gewöhnlich keine visuelle Unterstützung mehr, um den Überblick über die Woche zu behalten. 

Jedoch wird der Alltag der Kinder mit steigendem Alter und mehr Verpflichtungen komplexer. Deshalb ist es sinnvoll, dass alle Familienmitglieder einander mitteilen, was in der kommende Woche auf sie zukommt. Eine tolle Möglichkeit dazu ist das wöchentliche Familien-Forum. 

Statt Regeln für Kinder kann ein Familienforum helfen, Struktur in den Alltag zu bekommen. Dazu setzen sich alle Familienmitglieder am Tisch zusammen und besprechen die Woche.

Du brauchst: 1 Wochenkalender, 1 Stift

Und so geht’s: 

  1. 1
    Legt einen Zeitpunkt für das Familien-Forum fest, zum Beispiel jeden Sonntagabend um 19.00 Uhr. 
  2. 2
    Setzt euch gemeinsam an den Tisch und nehmt euch 30 bis 60 Minuten Zeit, um die folgende Woche zu besprechen. Alle Familienmitglieder erzählen nacheinander, was sie vorhaben und wann sie zeitlich verplant sind usw. 
  3. 3
    Ein Familienmitglied wird zum Notar ernannt. Er oder sie bekommt den Wochenplaner in die Hand und trägt die genannten Termine für alle ein. 
  4. 4
    Falls sich Termine unvorteilhaft überschneiden, könnt ihr sogleich eine Lösung finden. 
  5. 5
    Hängt den Wochenkalender gut sichtbar auf, zum Beispiel in der Küche oder neben der Haustür. 

Tipp: Alternativ könnt ihr auch einführen, dass alle jeweils selbstständig und rechtzeitig (!) ihre Termine in den Kalender eintragen. 

So kooperiert dein Kind freiwillig

Regeln in der Erziehung aufzuheben bedeutet gleichzeitig, dass dein Kind freiwillig auf dich hören sollte.

Dazu ist es wichtig, Folgendes zu verstehen: 

Dein Kind tut nie etwas GEGEN DICH, sondern FÜR SICH.

Wenn deine Aufforderungen deinem Kind also logisch und sinnvoll erscheinen, wird es kooperieren. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, genau das zu erreichen: 

1. Sorge dafür, dass dein Kind deine Aufforderung versteht

Damit dein Kind auf dich hört, muss es verstehen, warum es für es selbst sinnvoll und gut ist, deinen “Vorschlag” anzunehmen. Erkläre deinem Kind deshalb immer den Grund deiner Aufforderung.

Beispiel: 

  • Unverständlich für dein Kind: “Lauf nicht auf die Straße.”
  • Verständlich: “Bei der Straße gibst du mir die Hand, weil ein Auto dich verletzen könnte und ich für deine Sicherheit sorge.”

2. Baue Vertrauen auf

 Vertrauen ist der Kooperations-Booster schlechthin. Denn wenn dein Kind dir zu 100% vertraut, wird es sogar kooperieren, wenn deine Aufforderung ihm NICHT sofort logisch oder sinnvoll erscheint. Denn es weiß: “Mama und Papa sind auf meiner Seite.”

3. Halte dich selbst an das, was du von deinem Kind erwartest

Dein Kind beobachtet dich genau und spiegelt dein Verhalten. Leistest du deinen eigenen Anweisungen nicht Folge, fühlt sich dein Kind auch nicht mehr verpflichtet, diese einzuhalten. 

Regeln für Kinder machen nur Sinn, wenn sich auch die Eltern daran halten: Nicht so wie hier im Bild, wo die Mutter bei Rot über die Ampel geht und das Kind es mitbekommt.

4. Zeige deine Freude, wenn dein Kind kooperiert

Kooperation ist keine Selbstverständlichkeit. Deshalb sollten wir die Bemühungen unser Kinder wertschätzen. Oft reicht schon ein kurzer Satz wie “Danke, ich freue mich, dass du mitkommst.”, um deine Wertschätzung auszudrücken.

5. Gib deinem Kind Zeit

Oft sind Kinder in ihre eigene Welt vertieft. Da kann es schon mal etwas dauern, um zu ihnen durchzudringen. Lass deinem Kind Zeit und hole es mit der ABK-Regel sanft aus seiner Vertiefung heraus. Damit ihr nicht in Zeitverzug geratet, kannst du dein Kind “vorwarnen”. Als Beispiel: 

  • “Um 4 Uhr gehen wir los. Jetzt ist es 10 Minuten vor 4 Uhr. Du hast also noch 10 Minuten zum Spielen. In 10 Minuten komme ich nochmal zu dir und dann gehen wir, ok?“

Was tun bei Regelverstößen?

Regelverstöße sind ganz normal. Auch, wenn es für dein Kind “nur” die 3 Grundregeln zu beachten gibt. So kannst du bei Regelverstößen reagieren: 

1. Bestrafe dein Kind NICHT

Strafen üben Druck auf dein Kind aus, sodass es mit Gegendruck reagiert. Langfristig zerstört das eure Bindung.

Dazu kommt, dass Kinder Strafen meistens nicht verstehen. Sie bringen Strafen wie “Weil du an die Wand gemalt hast, darfst du jetzt nicht Fernsehen” gar nicht mit ihrem Fehlverhalten in Zusammenhang (“Was hast an die Wand malen mit Fernsehverbot zu tun?”). Die Strafe erscheint deinem Kind geradezu willkürlich und gemein. Das verunsichert es.

Hier erkläre ich dir ganz genau, wie Erziehen ohne Schimpfen klappt: 

2. Vermittle deinem Kind statt einer Strafe die natürliche Konsequenz

Im Gegensatz zu “willkürlichen” Strafen können Kinder natürliche Konsequenzen gut mit dem Fehlverhalten in Verbindung stellen. Natürliche Konsequenzen kommen aus der Sache selbst heraus und benötigen kein extra Handeln von dir. Beispiele sind: 

  • “Uiii, du hast an die Wand gemalt. Mir sind saubere Wände wichtig, weil ich mich damit wohler fühle. Komm, lass uns das gemeinsam sauber machen.”
  • Oder “Oh, ich sehe du hast die Katze zu fest gestreichelt. Jetzt ist sie von dir davongelaufen.”

3. Sucht Alternativen, die beide Seiten befriedigen

Überlegt euch Ideen, was dein Kind das nächste Mal besser machen kann, zum Beispiel so: 

  • “Schau mal, die Katze möchte sooo gestreichelt werden (und es dabei zeigen).” 
  • Oder “Wenn du malen willst, dann bitte hier auf dem Papier. Schau mal ich zeige dir, wo du Papier selbst jederzeit finden kannst. Beim nächsten Mal nimmst du bitte von hier das Papier zum Malen, in Ordnung? Oder “Ich sehe du willst malen… mir sind saubere Wände wichtig, überleg mal wo du noch malen könntest?”

Zusammenfassung

Das war jetzt eine Riesenberg an Infos für dich. Was du dir merken solltest ist folgendes: 

  • Kinder brauchen Regeln. Sie sorgen für Sicherheit, Vertrauen und gegenseitigen Respekt.
  • Wenn dein Kind nicht auf dich hört bzw. Regeln missachtet, liegt das daran, dass es aus spontanen Gefühlsimpulsen heraus handelt. 
  • Wenige und klare Regeln in der Familie sorgen für Sicherheit und weniger Konflikte. Zu viele Regeln hingegen provozieren Konflikte und Unsicherheit.
  • Es sollten nur 3 feste Regeln für Kinder gelten: Keiner tut sich selbst weh. Keiner darf andere verletzen. Und: Keiner darf Dinge kaputt machen.
  • Eine gute Vertrauensbasis kann jede Regel ersetzen und ermöglicht Harmonie in der Familie.
  • Fokussiere dich statt Regeln lieber auf Struktur im Alltag mit Kindern: Sie ermöglichen Flexibilität und liebevolle Führung, welche die Bedürfnisse deines Kindes berücksichtigt.
  • Um den Alltag besser zu strukturieren, können je nach Alter des Kindes Tages- oder Wochenpläne helfen. 
  • Verzichte bei Regelverstößen auf Strafen und setze stattdessen auf natürliche Konsequenzen.

Zum Abschluss habe ich hier noch häufig gestellte Fragen in Bezug auf Regeln für Kinder für dich zusammengefasst:

Häufig gestellte Fragen

1. Wann verstehen Kinder Regeln?

Kinder verstehen Regeln erst spät. Vor allem Kindergartenkinder fällt es schwer, Regeln nachzuvollziehen. Deshalb sollten Regeln für Kinder möglichst klar, einfach und wenige sein. 

Aus dem gleichen Grund solltest du bei Regelverstößen auf Strafen verzichten. Denn oft versteht dein Kind die Strafe nicht. Dadurch erscheint sie ihm willkürlich und unfair, was eure Bindung negativ beeinflusst. 

2. Wie viele Regeln brauchen Kinder?

Kinder brauchen nur 3 Regeln:

  1. Keiner tut sich selbst weh.
  2. Keiner verletzt andere.
  3. Keiner darf Dinge kaputt machen.

Mehr dazu kannst du hier nachlesen: Welche Regeln für Kinder?

3. Was tun wenn Teenager sich nicht an Regeln halten?

Kinder, und auch Teenager tun Dinge immer für sich, und nicht gegen dich. Gerade in der Pubertät gibt es einfach Sachen, die aus der Sicht deines Kindes manchmal wichtiger sind, als Regeln einzuhalten und abends rechtzeitig zu Hause zu sein. Um das akzeptieren zu können, braucht es eine gesunde Vertrauensbasis zwischen dir und deinem Kind. Versuche, statt zu strafen lieber ohne Schimpfen und ohne Regeln für Teenager auszukommen. Rede dazu offen mit deinem Teenie über das Problem und findet einvernehmlich eine Lösung. 

4. Was brauchen Kinder mit 4 Jahren?

In Bezug auf Regeln brauchen Kindergartenkinder vor allem Alltagsstrukturen, anhand derer sie sich in der Welt orientieren können. Diese Strukturen schaffen Sicherheit und Vertrauen, was vor allem für ängstliche Kinder wichtig ist. Strukturen bilden das Fundament für die Entwicklung von Selbstvertrauen und stärken das Selbstbewusstsein der Kinder.

5. Wie stelle ich Regeln für mein Kind auf?

Verzichte lieber auf viele Regeln für Kinder im Haushalt, und arbeite an gegenseitigem Vertrauen. Denn Vertrauen funktioniert mindestens ebenso gut wie Regeln, um den Alltag zu strukturieren. Das beste daran ist, dass dabei auch für Flexibilität Platz ist. Das ist wichtig, denn schließlich läuft das Leben nicht immer glatt - vor allem nicht mit Kindern.

Hier kommst du zu den Beispielen, wie du Regeln für Kinder durch Vertrauensbeweise ersetzen kannst: 

Die Geheimzutat: Vertrauen